Förderkreis Gedenkstätte
und Lernort Stadthaus

Informationen zum Stadthaus
vom "Förderkreis Gedenkstätte und Lernort Stadthaus"

Zurzeit wird das Ensemble „Stadthöfe“ von der Quantum Immobilien AG an der Stadthausbrücke aufwändig saniert und Stück für Stück vermietet. In diesem Quartier, das bis 2013 die Stadtentwick-lungsbehörde beherbergte, entstehen rund um fünf Innenhöfe hochwertige Wohnungen, Büros, Läden, Restaurants, Cafés, Bars und ein Hotel. In der Mitte der „Stadthöfe“ liegt das „Stadthaus“ genannte Gebäude Stadthausbrücke 8, in dem die Hamburger Staatspolizei (ab 1936 Geheime Staatspolizei) bis Juli 1943 ihren Sitz hatte. Hier wurden in der NS-Zeit zahllose Regimegegner brutal verhört, gefoltert und einige in den Tod getrieben.

Als die Stadt Hamburg am 12. November 2009 den Gebäudekomplex an einen privaten Investor verkaufte, verpflichtete sich dieser im Kaufvertrag, „in Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt und der KZ-Gedenkstätte Neuengamme einen Lernort mit unterschiedlichen Inhalten (Ausstellung, Seminare, Veranstaltungen, Inszenierungen, Dokumentationen) zur Nutzung des Stadthauses in den Jahren 1933 - 1943 … in geeigneten Räumen auf seine Kosten zu realisieren sowie dauerhaft den Betrieb und die öffentliche Zugänglichkeit sicher zu stellen.“ In dieser „Dokumentations- und Gedenkstätte“ soll nach den Plänen des Senat eine „Gesamtschau des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus“ entstehen (Senatsdrucksache 20/12554 vom 5. August 2014).

Die Verhandlungen zwischen Quantum, Kulturbehörde und einer Eimsbütteler Buchhändlerin laufen auf Hochtouren, weil die Ausstellungsräume schon im Sommer 2018 bezugsfertig sein sollen. Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme hat inzwischen alles vorhandene Material zum Komplex „Stadthaus“ an die Quantum Immobilien AG gegeben, die wiederum die Firma gwf-Ausstellungen damit beauftragen wird, eine Ausstellung zu erstellen. Dabei bleibt ungeklärt, wer der langfristige Träger dieser Gedenkstätte sein soll. Dass die Buchhändlerin das nicht nebenbei leisten kann, ist jetzt schon klar. Die verharmlosende Bezeichnung "Ort des Erinnerns", wie sie von Quantum und der Kulturbehörde favorisiert wird, ist völlig inakzeptabel.

Aus dem Kreis der Hamburger Geschichtswerkstätten hat sich der „Förderkreis Gedenkstätte und Lernort Stadthaus“ konstituiert, der zur Einrichtung eines seiner Bedeutung angemessenen Erinnerungsortes beitragen möchte. In Zusammenarbeit mit städtischen Institutionen, wie der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und den Verfolgtenverbänden, geht es ihm um die Betreuung von Besuchern und Besuchergruppen aus dem In- und Ausland sowie von Schulklassen und Projektgruppen. Wichtig ist dem Förderkreis die Durchführung von Veranstaltungen und Seminaren zum Themenkomplex Verfolgung und Widerstand während der Naziherrschaft, damit sich in dieser ehemaligen Zentrale des NS-Terrors ein Ort lebendiger Geschichtsvermittlung entwickeln kann.

Inzwischen hat sich eine "Initiative Stadthaus" gebildet, als breites Bündnis von Geschichtswerkstätten, Verfolgtenverbänden, Initiativen und Einzelpersonen. Auch der Förderkreis ist ein Teil dieser Initiative. Unsere Aktivitäten haben bisher ein überraschend breites Presseecho gefunden, bis hin zur Süddeutschen Zeitung aus München und zum Guardian in London.

Wir brauchen weiterhin eine breite Unterstützung! Wendet euch an Bürgerschaftsabgeordnete, den Senat, die Kulturbehörde und Quantum mit der Forderung nach einer angemessenen Gedenkstätte, in der die Breite des Widerstandes gegen die NS-Herrschaft dokumentiert wird.

Für den 22. Februar hat die Kulturbehörde Vertreterinnen und Vertreter von Verfolgtenverbänden und Geschichtswerkstätten, Quantum und Frau Krawehl zu einem Gespräch eingeladen. Wir werden dabei die folgenden Forderungen vertreten:

• Die verharmlosende Bezeichnung „Ort des Erinnerns“ muss geändert werden: „Gedenkstätte Gestapo-Zentrale und Widerstand im Stadthaus“ (o. ä.) • Die Gedenkstätte muss im öffentlichen Raum deutlich durch eine künstlerische Installation o. ä. erkennbar sein. • Es muss auch die Nachkriegsgeschichte enthalten sein (was wurde aus den Tätern?) • Es muss genug Raum für Veranstaltungen mit entsprechender Veranstaltungstechnik vorhanden sein. • Es darf keine Vermischung von Buchladen, Café und Gedenkstätte geben. Deshalb soll Quantum der Buchhändlerin eine andere Fläche zur Verfügung stellen. • Es muss ein Konzept erarbeitet werden, das die genaue inhaltliche Gestaltung, den dauerhaften Betrieb und mögliche Aktivitäten innerhalb der Gedenkstätte beinhaltet. • Die Geschichtswerkstätten und Verfolgtenverbände müssen in die Konzepterarbeitung, Raumplanung, Veranstaltungsplanung und den dauerhaften Betrieb der Gedenkstätte einbezogen werden. • Um den dauerhaften Betrieb zu gewährleisten, müssen ausreichende Ressourcen zur Verfügung gestellt werden (z. B. auch für die personelle Betreuung).